Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

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Myxan
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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von Myxan » 28. Mai 2018, 17:26

:ymapplause:
Das große Karthago führte drei Kriege.
Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.

IceTeaX
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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von IceTeaX » 28. Mai 2018, 19:04

Mal ein Kommentar zu deinem Kommentar ;) :)

Insgesamt ist dein Gedanke zu den Fortsetzungen und Remakes richtig. Ich denke aber ein wichtiger Punkt wird dabei immer außer Acht gelassen.
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und zum Beispiel "Das schwarze Auge: Schicksalsklinge" gespielt habe. Das Spiel hatte damals 8 Disketten + Spielstanddisk. Bei jedem betreten von einem Gebäude musste ich Diskette 3 dann Diskette 4 und anschließend wieder Diskette 3 einlegen. Bei den Kämpfen war das 8, 5 und 3^^.
Das Spiel habe ich etliche Monate, vielleicht sogar Jahre gespielt. Alleine das Spiel zu starten hat ewig gedauert. Ich möchte nicht wissen wieviel Zeit ich hier versenkt habe.

Was will ich damit sagen?

Die Erinnerung an die Spiele unserer Kindheit ist verklärt bzw. verzerrt. Die Welt ist schneller, hektischer geworden und nicht nur die Computerspiele haben sich deutlich weiterentwickelt. Ein Spiel welches so (zeit-)aufwendig wie DSA-Schicksalsklinge würde heute hoffnungslos am Markt versagen und ich würde es nach spätestens 5min entnervt in die Ecke donnern. Deshalb kann ein Entwickler bei Remakes und Nachfolgern alter Klassiker meiner Meinung nach eigentlich nur verlieren. Wenn er es nachbaut verliert er, weil die Erfahrung nie wieder dieselbe sein wird. Wenn er sich zu weit entfernt, fehlt ebenso das Gefühl der Vergangenheit.

Ken Sugisaki
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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von Ken Sugisaki » 28. Mai 2018, 20:23

writingbull hat geschrieben:
28. Mai 2018, 16:43
9:19 Warum die deutsche Games-Branche im Weltmarkt hinterherhinkt
18:59 Was bei der Entwicklung von Pizza Connection 3 schief lief
28:25 Wie die GameStar Themen setzt und Spiele in den Fokus rückt
38:10 Spieleentwickler werden bei der Writing-Bull-Community neue Projekte pitchen

Ein wirklich spannender Scheinwerfer. Gerade weil Expertenwissen/meinung nicht "journalistisch" Interpretiert wird.
Mir stellen sich in dem Zusammenhang auch noch 3 Fragen, die du womöglich noch kurz beantworten kannst.

1&2: Ja die deutschen Entwickler/Publisher hinken dem Weltmarkt hinterher. Crysis, die Siedler und Gothic liegen ja nun auch ein paar Jährchen zurück. Gibt es in der Branche den überhaupt das Interesse einen AAA-Titel zu entwickeln/finanzieren? Dienen die eigenen Start-Ups bzw. die Anstellung bei deutschen Studios hauptsächlich als Sprungbrett um z.B. bei Ubisoft unterzukommen? (Quasi wie Ingenieure bei Konstruktionsfirmen anfangen um dann bei DAX-Konzernen unterkommen)

-Apropo Dax-Konzerne: Die sehe ich als Hauptgrund, wieso es kaum deutsche Entwickler gibt. Auch wenn SAP, autonomes Fahren, Industrie 4.0, Mensch-Roboter-Kooperation, uvm. nicht so cool ist, so werden da viele fähige Köpfe gebraucht und man verdient deutlich mehr. In den anderen Ländern ist da das Verhältnis vom Personalbedarf zur Einwohnerzahl nicht ganz so dramatisch (außer Japan).

3. Welchen Kompromiss aus Pizza Connection 1&2 und neuen Inhalten würden die Entwickler heute anpeilen?

PS: Viele andere (deutsche) Games haben sich sonst nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert und haben besonders zum Start (der Konsolenumsetzung) viele Bugs. Es betrifft also nicht nur Pizza Connection und es ist auch nicht unbedingt neu, dass mehr Geld/Zeit das Spiel runder machen. Die meisten Investoren/Publisher kalkulieren doch extra knapp und hoffen dass der Shitstorm nicht ganz so stürmt.

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TheGreenJoki

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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von TheGreenJoki » 28. Mai 2018, 21:29

Ken Sugisaki hat geschrieben:
28. Mai 2018, 20:23
Gibt es in der Branche den überhaupt das Interesse einen AAA-Titel zu entwickeln/finanzieren? D
Anno ist meiner Meinung nach so ein Titel, der zwar nicht AAA+ Titel ist, aber in den letzten jahren immer ziemlich geglänzt hat (auch wenn wohl einige mit 2205 nicht so zufrieden waren, das hat man aber immer).
Ken Sugisaki hat geschrieben:
28. Mai 2018, 20:23
Ja die deutschen Entwickler/Publisher hinken dem Weltmarkt hinterher. Crysis, die Siedler und Gothic liegen ja nun auch ein paar Jährchen zurück.
Auch wenn ich einige nicht persönlich gespielt habe, fallen mir Tropico, Elex, Anno, Ryse, Shadow Tactics ein...

Ob man die jetzt als AAA Titel sieht, naja ist ein gänzlich anderer Markt als die generischen Ego-Shooter oder RPGs ala Witcher III.
Bleiben wir mal realistisch!

Ken Sugisaki
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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von Ken Sugisaki » 28. Mai 2018, 22:48

Stimmt. Anno habe ich vergessen. *Asche auf mein Haupt*


Also die von dir genannten Spiele sind meistens gut, aber die Budgets (auch nur für die Entwicklung) und Umsätze sind nicht mit AC, BF, Zelda, GTA etc. zu vergleichen. Ja sie hinken beim Umsatz Browserspielen ausm Hause Gameforge oder Bigpoint hinterher. Aber wahrscheinlich ist ein "massentauglicher Vollpreistitel" passender.

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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von writingbull » 28. Mai 2018, 22:59

IceTeaX hat geschrieben:
28. Mai 2018, 19:04
Die Erinnerung an die Spiele unserer Kindheit ist verklärt bzw. verzerrt. (...) Wenn er es nachbaut verliert er, weil die Erfahrung nie wieder dieselbe sein wird. Wenn er sich zu weit entfernt, fehlt ebenso das Gefühl der Vergangenheit.
Diese Worte unterschreibe ich!
Ken Sugisaki hat geschrieben:
28. Mai 2018, 20:23
Gibt es in der Branche den überhaupt das Interesse einen AAA-Titel zu entwickeln/finanzieren?
Interesse sicher. Mal an einem solchen Mega-Projekt beteiligt zu sein, davon träumen sicher viele deutsche Entwickler. Aber sowas finanziell stemmen zu können, davon ist man hierzulande weit entfernt. Kein deutscher Publisher hat Größe und Kapital dafür. Und warum sollte ein großer ausländischer Publisher ausgerechnet ein deutsches Studio für ein Mega-Projekt anheuern?
Ken Sugisaki hat geschrieben:
28. Mai 2018, 20:23
Dienen die eigenen Start-Ups bzw. die Anstellung bei deutschen Studios hauptsächlich als Sprungbrett um z.B. bei Ubisoft unterzukommen? (Quasi wie Ingenieure bei Konstruktionsfirmen anfangen um dann bei DAX-Konzernen unterkommen)
Das kann man pauschal weder bestätigen noch ausschließen. Es gibt sicher neben Entwicklern, die der Traum eines eigenen kleinen Indie-Studios mit selbstbestimmtem Arbeiten glücklich macht, auch Einzelne, die einen anderen Lebensweg anstreben.
Ken Sugisaki hat geschrieben:
28. Mai 2018, 20:23
Welchen Kompromiss aus Pizza Connection 1&2 und neuen Inhalten würden die Entwickler heute anpeilen?
Wenn die Entwickler jetzt sagen: "3 Monate fehlten uns für X", dann steht X nicht für andere oder zusätzliche Kern-Features, sondern fürs Polishing, mehr Testen, besseres Balancing, etwas höherer Schwierigkeitsgrad, eine einstiegsfreundlichere Gestaltung und mehr von den atmosphärischen Mini-Features, die sie ja auch nach Release noch eingeführt hatten.
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Ken Sugisaki
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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von Ken Sugisaki » 29. Mai 2018, 13:56

Danke für die schnellen Antworten. :-BD

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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von Belphegor » 29. Mai 2018, 14:21

Zum Thema mit Jan Klose und der Behauptung, dass deutsche Entwickler nicht mutig genug sind und der Sache mit den Konsolen.

Auf der einen Seite gebe ich ihm Recht, aber auf der anderen Seite auch überhaupt nicht.
Die Aussage mit den Konsolen hätte man so unterschreiben können, vor ca. 20 Jahren, als die PS2 im Anmarsch war. Aktuell glaube ich, dass er da seiner eigenen Behauptung erliegt, weil man sich ja überlegen muss, wohin sie der Markt in Zukunft hinbewegt und nicht wo er gerade ist. Ich persönlich denke, dass der PC wieder viel wichtiger sein wird, bzw. auch wieder wichtiger ist, weil Microsoft einfach ein Riese ist und die XBOX immer mehr zum Mini-PC werden wird. Man kann ja jetzt schon erahnen wohin die Reise geht und man wird Sony sicherlich nicht das Feld überlassen. Die Leute kaufen nicht aus Dankbarkeit die PS5 oder 6 oder 7, sondern die Leute kaufen das bessere Produkt und da kommen wir wieder zu dem Punkt, wo ich glaube, dass das Potential selbst ganz deutlich auf Seiten von Microsoft, der XBOX und schlussendlich dem PC liegt.
Und da der aktuelle Konsolen-Zyklus wohl jetzt schon am Ende ist, würde ich weniger in Richtung Sony schielen, wenn ich Jan Klose wäre.

Dann wäre da auch noch das Beispiel Piranha Bytes. Es stimmt, dass ELEX kein Witcher ist, aber man muss auch nur mal schauen, welche Studios, die in den 90ern gegründet wurden, heute noch existieren. Auch wenn Piranha Bytes kein Witcher produziert haben (aber mit ihren Spielen auch kleine Meisterwerke), dann muss es als Entwickler ja nicht immer richtig sein, größer und größer und noch größer zu werden. Der nächste Riese, der bald geopfert wird, das wird vermutlich Bioware sein. Denen hat das immer größer werden und EA am Ende ganz und gar nicht gut getan.

Gerade den Trends nach zu rennen, das ist eh eine etwas fragliche Herangehensweise und in meinen Augen auch sehr kurzsichtig. Siehe Lootboxen, siehe Games as a Service, siehe Mega-Ultra-Riesig-Casual-Open-World, und und und, weil das sind inzwischen alles Dinge, von denen die Leute doch die Nase bis oben hin voll haben. Auch der Battle Royale Hype wird wie alles andere auch wieder auf ein normales Niveau sinken und die allermeisten, die diesen Trends jetzt noch hinterherhecheln, werden auf die Nase fallen. Pillars 2 ist doch ein wunderschönes Beispiel, statt dass man damit wirbt, dass dieses Spiel 7.3x so groß ist wie Teil 1 und ~3023 Stunden Spielzeit beinhaltet, ist das Spiel einfach kleiner, aber dafür qualitativ besser geworden. Gegen den Trend, der Alptraum aller Direktnachdemabistudiertundohnejeglichelebenserfahrung-Analysten.

Qualität statt Quantität. Vorausschauend denken, statt Trends zu jagen, die schon über alle Berge sind.
Dazu braucht man eine gewisse Portion Demut, Talent und auch verdammt viel Glück und ein perfektes Timing, wie es CD Projekt beispielsweise hatte.

Warum die Spiele Branche in Deutschland vor sich hinvegetiert hat viele Gründe. Zum einen Schule und Studium, zum anderen ist da auch die Politik und die teilweise immer noch fehlende Akzeptanz. Auch der Fakt, dass Computerspiele Kunst sind, es in Deutschland bis heute aber noch keiner so richtig (öffentlich) gemerkt hat. Das ist ein wenig wie das Thema Internet, Deutschland hinkt hier vielen Ländern um Jahre hinterher. Viele Jahre.
Man kann es also vielleicht mit einer fehlenden oder kaum vorhandenen Infrastruktur beschreiben. Über die aktuell bestehenden Entwickler und ihre Fehler zu reden und hier Vorschläge zu machen, ist so ähnlich, wie über das Symptom statt der Ursache zu spekulieren.

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Re: Scheinwerfer: Die Kommentar-Reihe von W.B.

Beitrag von writingbull » 29. Mai 2018, 16:51

Puh! Sehr spannender Beitrag. :ugeek:
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