[Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

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Littlesid80

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Beitrag von Littlesid80 » 4. Dezember 2018, 17:45

Eine kastilianische Ehe

Ein heißer Sommerwind fegt durch die engen und aufgeheizten Gassen und Straßen von Toledo. Auf seinem Weg streift er ein stattliches Patrizierhaus mit großen Fenstern. Ein kleiner Eindruck von vorhandenem Reichtum sind die hohen Fenster , welche viel licht in die dahinterliegenden Räume lassen. Im Zweiten Stock ist eines dieser Fenster offen und wenn man ein neugieriger Vogel wäre, der keine Angst vor Katzen hat könnte man folgendes Gespräch erlauschen.

"Was zum Kölner Dombaumeister ist denn nun schon wieder los?" fragt ein großer Mann mittleren Alters. Er sitzt gerade in einem Sessel und hat ein Kind auf dem Schoß und ein Buch in der Hand. Vor ihm steht eine fast ebenso große schöne Frau. Aus ihren Augen blitzt der Zorn und ihre Stirn wirft ebensolche Falten.

"Was los ist? DU fragst mich allen Ernstes, was los sei?" ohne das sie ihre Stimme großartig erhebt würde trotzdem jedem klugen Manne klar sein, daß hier Ärger im Verzug ist.

"Du willst schon wieder auf eine mehrmonatige Reise gehen. Seit wir verheiratet sind bist du mehr als die Hälfte des Jahres auf Reisen. Ich meine ich habe nichts dagegen, wenn du deinen Freund in Schweden besuchst. Seine Geschenke an mich und die Kinder sind immer wundervoll. Aber du siehst danach immer sehr bärtig aus und betrunken warst du da oben sicherlich auch jeden Tag. Man sieht es an Deinem Bauch."
"Und ja ich weiß Diplomatie ist in der heutigen Zeit etrem wichtig.Aber wer muss sich dann um die Kinder und Katzen kümmern, das Weingut verwalten, deine liegengebliebene Korrsepondenz sichten und ggf. in deinem Namen antowrten? Wer sichtet regelmässig die Unterlagen aus der königlichen Kanzlei und fasst sie für die Boten an dich zusammen. Wer muss ständig zu irgendwelchen Empfängen mit aufgeblasenen Adligen und Botschaftern??? Nun sag es mir wer macht all das?????"

"Du, meine Schöne, Licht meines Lebens, Mutter meiner Kinder und Beherrscherin all meiner Tag und Nachtträume." sagte der Mann mit verschmitztenn Grinsen.

"Mit Süßholzraspeln kommst du mir auch nicht davon, Du Tunichtgut" erwiderte die zornige Dame , alllerdings stahl sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen. "Ich schicke jetzt den Boten mit den unterlagen für die Kanzlei los. Und wenn ich wiederkomme reden wir über deine Reisepläne und die Kinder. Und wenn du dann noch Kraft hast solltest du deine Ehefrau auch mal wieder in eine schöne Weinstube ausführen."
Sprach es und rauschte wie eine Wirbelwind aus dem Raum.
Das Kind war während des Gespräches eingeschlafen und sabberte ein wenig auf den Rock des Mannes.

"Sie hat ja recht." dachte der Mann. "Ohne ihre Klugheit und Tatkraft würde er nicht halb soviel schaffen und erreichen wie bisher. Aber ich muss ja durch Europa reisen. Ein Gespräch mit dem Zar von Bulgarien in Konstantinopel, eine Zusammenkunft mit den Häuptern der afrikanischen Vereinigung in Casablanca, ein Treffen mit dem Papst und dem Kaiser, eine Audienz mit einem etwas aufgeblasenem Herzog aus der Champagne und natürlich die obligatorische Reise nach Schweden wie jedes Jahr. Bei meinem vorletzten besuch machte man mir ein großartiges Geschenk in Form eines eigenen Hauses in Stockholm. So kann ichs seit dem auch die Familie mitnehmen, wenn sie mag."

Die letzten Jahre hatten ihre Spuren an unserem Littlesid dem dritten seines Namens hinterlassen. Er hat in Namen seiner Königin und später im Namen seines Königs Feldzüge gegen Frankreich und Savoyen geführt. Hatte auf dem Balkan dem bulgarischen Herrscher bei einem großen Krieg gegen den Mamelucken geholfen. Er ertrug einen aufmüpfigen Papst , sowie die Exkommunikation von ganz Kastilien.
Und ja während seiner Abwesenheit erledigte sein Eheweib viele seiner Aufgaben am kastilianischen Hof und in der Staatskanzlei. Natürlich bekam das der Hof nie so wirklich mit aber er ar sich über die Rolle
seiner Frau schon sehr im Klaren.

"Ich sollte sie heute wirklich sehr schick ausführen und bei meiner nächsten Nordlandreise nach Schweden werde ich sie mitnehmen." Bei diesem Gedanken nickte sein Kopf nach vorn und er war eingeschlafen. Eingelullt durch das ruhig Atmen seines Kindes.



(Anmerkung des Autors : Wird Littlesid wieder aufwachen? Wird seine Frau noch wütender? Was passiert nach dem Verlust eines geschätzten Bündnisparters? Warum ist der Papst so wütend? Wo sind eigentlich die Katzen geblieben? Und was passier bei einem Gespräch mit den Atzteken? Wir werden es sehen......)

Littlesid80

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Beitrag von Littlesid80 » 6. Dezember 2018, 21:03

Das Edikt von Sevilla?

Es ist ein milder Tag eines milden Winters in Sevilla, Der Kolonialhafen ist voller Schiffe. Dickbauchige Koggen aus der Ostsee (die meisten mit schwedischer Flagge), schaukeln neben fast schon archaischen Karacken aus portugisischen Provinzen und imposanten Karavellen neuerer Bauart. Ein munteres Treiben der Schauermänner und Seeleute belebt die Kais und anderer Hafenanlagen.
Ein vielfältiges Murmeln erfüllt die Straßen der Stadt. Man hört das kehlige Geräusch der Berber und Marokkaner, das Brummeln der Schweden und anderer Nordvölker, den Singsang der iberischen Zungen und das Trällern der italienischen Sprachen. Zwischendurch kann man auch die Zungen des afrikanischen Kontinents und den Klang der balkanischen Sprachen erhaschen. Ab und an ertönt auch der harte Klang deutscher und österreichischer Händler durch das Gewirr der Gassen. Das Leben pulst und der Handel floriert in dieser Stadt.
Der Priester der evangelischen-schwedischen Gemeinde schiebt sich derweil durch das Gedränge und Gewusel dieses Handelsplatzes und saugt jeden möglichen Eindruck in sich auf. Die Händler bieten mannigfaltige Güter aus allen Regionen des kastilischen Reiches und seiner Kolonien an. Hier Tabak und Rum sowie Zucker aus der Karibik, da leichte Baumwollstoffe und Kaffee von den südamerikanisch-aragonesischen Ländereien. Daneben Stockfisch und edle Pelze aus Schweden, feinste englische Tuchwaren und schmackhafter Gin. Papier, Glaswaren und erlesende Waffen aus deutschen Landen und Österreich, Spezereien und mannigfache Leckereien aus Afrika und Arabien.
Es herrscht ein Kommen und Gehen , ein Reden, Palavern und Verhandeln in den unterschiedlichsten Sprachen des Mittelmeerraumes und anderer Länder.
Die Hautfarben reichen vom verbrannten Krebsrot der Schweden und Britanier bis zum tiefschwarz und dunkelbraun der Malinesier und Kongolesen.
In diesem Gedränge und Geschiebe stößt der Priester mit einem schwarzgewandetem Mann mit langem Bart zusammen. Es ist der Metropolit des westlichen Mittelmeeres der orthodoxen Kirch zusammen. Beide kennen sich aus Besuchen von marokkanischen Kaffeehäusern in der Stadt.

"Seid gegrüßt ehrenwerter Olaf Olafson." begrüßt der Bulgare den Schweden. "Eine unglaubliche Vielfalt an Menschen herrscht hier , oder? " führt er fort.
"Oh Ja da habt ihr Recht, geschätzter Stefan." erwidert der Schwede "Es ist immer wieder aufs neue ein Erlebnis und eine Herausforderung zum Haus des kastilischen Kanzlers zu gelangen."

"Da schau her , ihr habt das gleiche Ziel mein Bester, auch ich habe diese Ziel. Wollen wir den Rest des Weges zusammen gehen?"
"Aber mit dem größten Vergnügen. Sagt Wie ist es Euch nach unserem letzten gemeinsamen Kaffeehausbesuch ergangen? Wir waren noch in dieser guten Weinstube, wo wir den kastilischen Kanzler mit seiner wunderschönen Ehefrau begegneten, und danach umgibt meiner Erinnerung ein Schleier unterbrochen von Wein,Weib und Gesang."
"Oh bitte fragt mich nicht. Ich bin in einem durchaus representablen Etablissement aufgewacht aber es stellte sich als das hiesige Edelfreudenhaus heraus. Man sagte mir, nach dieser Nacht hätte ich jederzeit Kredit und großen Rabatt zu erwarten."

Ein leichtes Erröten und eine umso schmutzigeres Grinsen begleitete diese Aussage. Der bärtige Schwede lächelte verständnisvoll und schritt weiter.
Just in diesem Moment schoß ein Arm aus der Menge hervor und stoppte seinen Schritt. Dieser gehörte zum sunnitischen Imam der örtlichen Moschee.

"In Allahs Namen stoppt euren Schritt."ertönte es in gutturalem Klang seiner Stimme. "Ihr wäret fast auf eine Katze getreten."

Seid vielen Jahren erfreuten sich Katzen, besonders rote Kater und norwegischer Waldkatzen, einer großen Verehrung in Kastilien. Sie wurden als Lieblingstiere des Hauses Lancaster und Haustiere der königlichen Verwalter im gemeinen Volk verehrt und dem Adel geschätzt. Dies wurde nur durch die Vorsicht und die Achtsamkeit nordafrikanischer Händler, Botschafter und Reisender übertroffen. Demgegenüber gab es in ganz Kastilien, mit Ausnahme von Hof-, Jagd - und Hütehunden wenige Nachkommen des stolzen Wolftieres.Im Allgemeinen galten Hunde auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar eher als Störenfriede und Unglücksboten.

"Wohin des Weges meine werten Herren?" fragte der Imam.

"Auf dem Weg zum kastilischen Kanzler." erwiderten die beiden Geistlichen.

"Darf ich mich Euch anschließen?"

"Aber mit dem größten Vergnügen." erwiderte der Schwede.

Mit diesen Worten wandten sich die drei ehrwürdigen Herren der Hauptstraße zu und verschwanden in der Menschenmenge.

(Anmerkung des Autors: Werden die Drei jemals ihr Ziel erreichen? Wieso zum Kölner Dombaumeister verstehen sie sich so gut? Warum wurden Textzeilen für Katzen verwandt? Und warum sind Hunde nicht gut gelitten in Kastilien und Marokko? All diese Fragen werden hoffentlich beim nächsten Post beantwortet. Oder auch nicht.)

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 9. Dezember 2018, 12:49

[align=center]Das Edikt von Sevilla Teil 2?[/align]


Unsere drei Herren drückten und schoben sich weiter durch das Gedränge der Stadt und erreichten ein wenig derangiert und verstaubt das Haus des kastilischen Verwalters. Vor seinem Eingang stand der katholische STtadtbischof und klopfte sich den Staub von seiner Soutane.

"Seid gegrüßt meine Herren, es ist schön zu sehen, daß wir alle pünktlich sind." begrüßte er alle Drei.

"Gott sei mit euch, eure Exzellenz." antworteten alle drei fast im Chor.

"Wie ich sehe sind wir alle dem Ruf des Kanzlers gefolgt. Hat jemand von euch eine Ahnung warum er uns rufen lies?" fragte der Bischof. "Ich meine es gab doch schon sehr lange keine Auseinandersetzungen zwischen unseren jeweiligen Glaubensbrüdern und -schwestern."

"Inschallah, so möge es auch bleiben." erwiderte der Imam. Die anderen drei nickten.

"Nun gut, wenn wir hier draußen weiter stehen bleiben werden wir nicht nur nicht klüger sondern sehen bald aus wie braune Staubskulpturen." setzte der Schwede hinzu.

Also klopften sie an die Tür und wurden auch sofort eingelassen.

In der dämmrigen Eingangshalle erwartete sie Littlesid und geleitete sie mit freundlichen Begrüßungsworten in einen größeren Raum, mit einem runden Tisch. An diesem saßen mehrere Botschafter, Legaten und Konsuln aus den wichtigsten Bündnis und Handlespartnern.

Etwas großes sollte hier wohl geschehen. Bevor es jedoch wirklich losging wurden Getränke und kleinere Naschereien gereicht und die Stimmung wurde ein wenig gelöster. Der Bischof verstrickte sich in eine kleine Diskussion mit dem Protestanten. Selbst Außenstehende erkannten, daß die beiden schon des Öfteren über dieses Thema debattiert hatten und es als freundschaftliches Ritual betrieben. Ein paar Frozeleien zwischen ihnen erschienen selbst den Umsitzenden als erheiternd.

Nach einer Weile erhob sich Littlesid und begrüßte die Anwesenden mit wohlgesetzten Worten und erklärte ihnen den Grund dieses Treffens.

"Meine Herren, ich habe sie hier zusammengerufen um mit ihnen ein Verlautbarung, also ein Edikt, zu verfassen. Wir leben in bewegten Zeiten, viele Dinge ändern sich, alte Unumstößlichkeiten gelten nichts mehr und unsere Welt ist größer geworden. Unsere geschätzten Verbündeten in Schweden haben sich von der Mutterkirche losgesagt und wie die Engländer eine eigene Staatskirche gegründet. Die Macht und der Einfluß des Papstes sind schon seid längerem korrumpiert und schwinden Zurecht dahin. Eine weitere Glaubensabspaltung kündigt sich im Kiserreich der Deutschen an und die Orthodoxe Kirche erstarkt auf dem Balkan, AUßerdem wächst und gedeiht unser Handel, Austausch und unsere guten Verhältnisse zu der Afrikanischen Vereinigung.Hier in den kastilischen Handelsplätzen und Häfen trifft sich die alte Welt zum Handeln und zum Austausch. Und das alles mit der angemessenen Toleranz und Wertschätzung die man einem Menschen gleich welcher Herkunft oder Religion zukommen lassen sollte."

Hier erhob sich der Schwede und erwiderte "Ja Eure Ezellenz, dies ist euer Verdienst. Ihr habt immer auf Gespräche Verhandlungen und Kompromisse , sowie auf gegenseitigen Respekt und Toleranz gedrängt. Und dies zum Wohle aller."

Alle Anwesenden nickten zustimmend.

"Danke der Herr." erwiderte der Kanzler und ein kurzes dankbares Lächeln huschte über sein Gesicht.

"Und weil es ja nun schon seid vielen Jahren so in Kastillien gehandhabt wird, würde ich gern ein Dekret verfassen umd diesen Umgang und die allgemeinen Verhaltensregeln für alle diplomatischen und kommerziellen Unterredungen und Verhandlungen festzulegen. Religion sollte jedermans eigene Sache sein, sie sollte nicht mehr Betsandteil oder Triebfeder im politischen Handeln darstellen. Unsere Welt ist jetzt schon so komplex und die Herausforderungen so groß, dass wir uns nicht noch mit theologischen und religiösen Konflikten belasten sollten."

Leichte Verunsicherungen und Irritationen machten die Runde aber keiner konnte sich dieser fundamentalen Erkenntnis so recht verschließen.

"Und um einen allgemeingültigen und zufriedenstellenden Wortlaut für dieses Edikt, ich würde es gern als das Toleranzedikt von Sevilla bezeichnen, zu erschaffen habe ich sie meine geschätzten Herren zu mir gebeten."

Diese Worte führten zu stolzen Gesichtern und zustimmenden Gemurmel.

"Und um Eure wertvolle Zeit nicht allzu stark in Anspruch zu nehmen, würde ich vorschlagen, daß wir uns jetzt und hier schnell ans Werk machen." sagte Littlesid.

Während nun sogleich die Herren ihre Häupter zusammensteckten und anfingen zu beratschlagen und zu diskutieren, schnürte ein dicker roter Kater durch eine Nebentür in den Raum hinein, sprang auf den Tisch und rollte sich selbstherrlich zwischen Papieren und Tintenfässern zusammen und schaute mit zugekniffenen Augen den Herren zu. Keiner störte sich daran und so mancher Streitpunkt erschien dem Einen oder Anderen weniger schlimm, wenn er die Entspanntheit des Tieres bewunderte.

(Anmerkung dess Autors: Werden die Herren ein spruchfähiges Edikt hinbekommen? Wieso will Littlesid so ein epochales Edikt herausgeben? Was wird sein König davon halten? Wieso ist mein Kaffee schon wieder alle? Und wann kommt der erste Schnee? Ein Teil dieser Fragen werdet Ihr beim nächsten Mal beantwortet bekommen.)

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 11. Dezember 2018, 19:25

Das Edikt von Sevilla Teil 3 (in Toledo)

Ein schlichtes aber geschmackvoll eingerichtetes Arbeitszimmer in der königlich-kastilischen Staatskanzlei. Hohe Bücherregale angefüllt mit Pergamentrollen, Büchern und fremdländischen Geschenken füllen die Wände aus. An einer Seite befindet sich ein gemütliches Sofa- und Sesselrund mit einem edlen Tisch aus Tropenholz. Ihr gegenüber steht ein Schreibtisch aus Eiche mit kunstvollen und fremdartigen Schnitzereien.
An jenem Tisch sitzt unser Littlesid und studiert Rollen mit Provinzberichten, liest Briefe ausländischer Botschafter und Emissäre und unterzeichnet Verordnungen vielfältiger Art.
Alles atmet eine Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit aber auch der Pflicht und der Gewissenhaftigkeit. Gerade kratzt der Federkiel über einen Brief, der an den Papst gehen soll, als die Tür auffliegt und ein aufgeregter Kanzleiangestellter stürzt in den Raum. Littelsid schaut etwas unwirsch von seiner Arbeit auf und knurrt: "Werter Bruno von Navarra, ich hoffe ihr habt einen guten Grund hier so störend hereinzuplatzen?"

Verunsichert aber gefasst erwidert der Unglückliche: " Verzeihung eure Ezellenz aber der König ist just in diesem Moment vorgefahren und schickt sich an euch einen Besuch abzustatten."
Nach dieser Information legt der kastilianische Verwalter ruhig seinen Federkiel beiseite und erhebt sich und tritt vor den Tisch in ruhiger Erwartung seines königlichen Herrens.

Nur Augenblicke später betritt der König , Kontrolleur der Kronen von Kastilien,Aragon und Neapel den Raum. Nach kurzem Winken seinerseits schließt sich die Tür und die beiden Männer sind allein. Littelsid verbeugt sich angemessen aber nicht unterwürfig. "Seid mir aufs freudigste begrüßt eure Majestät. Was verschafft mir die Ehre eures hohen Besuches?"

Der König nickt kurz und lässt derweil seinen Blick durch das Arbeitszimmer schweifen.

"Seid ihr auch gegrüßt geschätzter Littelsid. Ich wollte euch unter vier Augen sprechen und der königliche Palast hat dann doch zuviele Augen und Ohren. Außerdem wollte ich mir mal wieder eure Wirkungsstätte und den Hort so vieler guter Ideen anschauen. Seid meinem letzten Besuch hat sich die Einrichtung ja stark verändert."

"Da trügt euch euer königliches Auge nicht. Wie ihr seht habe ich einen neuen Arbeitstisch. Er ist ein Geschenk des schwedischen Hofes. Und wenn ihr geruht euch setzen zu wollen, dann nehmt bitte die bequeme Sitzgruppe da, ein Geschenk aus Wien vom Erzherzog. Der Tisch ist im übrigen eine Dankesgabe vom marokkanischen Sultan." erwiderte nicht ohne Stolz und Zufriedenheit der Kanzler.

Der König nickte huldvoll und platzierte seine Hoheit auf dem zentralen Sofa und fand sich augenblicklich im Fokus zweier grüner Katzenaugen. Im Sessel ihm gegenüber lag eine grau-schwarz-braun getigerte Katze und musterte ihn auf die unnahbare Art wie es diese Tiere nur tun können.

Der König schaute ebenso majestätisch zurück und nach kurzer Zeit schloß die Katze ihre AUgen und rollte sich zusammen. Zufrieden über seinen vollständigen Sieg wandte sicher der König Littlesid zu.
"Ihr habt mir vor einer Woche ein Schreiben mit dem sogenannten Edikt von Sevilla zukommen lassen, auf das ich es lese und bewerte."

"So ist es eure Hoheit. Was sagt ihr nun dazu?"

"Nun ganz offensichtlich haben viele kluge und tolerante Männer daran gearbeitet......."

"Es liegt ein Aber in eurer Bemerkung mein König."

"Dem ist so. Natürlich pflegen wir gute bis sehr gute Beziehungen zu Fürstenhäusern und Händlern anderer Religionen und das soll auch so bleiben. Gleichzeitig ist es wahr, dass das Papstum korrumpiert und verdorben ist durch seine Weltlichkeit. Aber ich möchte dieses Edikt nicht als Staatsgesetzt unterschreiben und werde es ablehnen."

Littlesid versteifte sich merklich und neigte fragend sein Haupt.

"Ich werde es euch auch begründen guter Freund. Wir werden dieses Edikt zum schriftlichen Fundament für unsere Außen- und Handelspolitik machen." fuhre der König fort "Aber für unsere Kronlande wird diese Toleranz nur für ausländische Händler, Handwerker und Ähnliche gelten. Unsere eigene Bevölkerung soll demgegenüber verpflichtet sein sich zum einzigen katholischen Glauben zu bekennen und ihm folgen. Das ist Mein Wille und der soll Gesetz sein."

Schweigen erfüllte den Raum.
"Nun gut eure Majestät ihr werdet sicher mit eurem Weitblick recht haben und so soll es geschrieben werden." brummte Littlesid.

Der König lachte kurz auf, beugte sich zu seinem Kanzler hinüber und klopfte ihm auf das Knie. "Danke für eure Toleranz gegenüber mir aber in diesen bewegten Ziten brauchen unsere Kronvölker eine unumstössliche Säule der Stabilität neben der Krone und das ist Ein Glaube. Vielleicht gibt es bald auch nur noch eine Krone in unseren Besitzungen. Ich hörte ihr arbeitet an dem einen oder anderen
Vorhaben."

"Ja das tun wir hier in der Kanzlei aber es wird noch eine Weile dauern."

"Nun gut dann werde ich euch eurer Arbeit überlassen." sagte der König "Und grüßt mir eure Gattin." Daraufhin erhob sich der König, kraulte die Katze und rauschte aus dem Arbeitszimmer.

Littelsid blieb noch kurz sitzen und ließ die königliche Abfuhr und denselben Abgang kurz auf sich wirken um dann wieder an seinen Arbeitstisch zu gehen und weiter zu arbeiten.

(Anmerkung des Autors: Wie wird Littlesid auf die königliche Abfuhr reagieren? Hat der König etwa recht? Wie wird mir der Wein gleich schmecken? Und gibt es unter den Lesern Katzenallergiker? Wieder viele Fragen und keine Antworten.)

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 16. Dezember 2018, 16:53

Ein ganz normaler Arbeitstag

Ein neuer Tag bricht in Toledo an. Noch herscht eine angenehme Kühle in den Straßen und Gassen der Stadt. Die ersten Händler öffnen ihre Stände und Geschäfte und aus einigen Werkstätten klingen schon die ersten Geräusche emsigen Schaffens. Die letzten Nachtschwärmer und Katzen streichen auf dem Weg nach Hause aneinander vorbei und die Sonnenstrahlen schicken sich an über das Häusergewirr der Stadt zu streichen.
Im Hause Littlesid herrscht schon ein Gewimmel sondergleichen. Die vier Kinder streiten mit der Mutter und die Angestellten gehen ihren Aufgaben nach.
Der Hausherr begrüßt hingebungsvoll seine Gattin und weißt die laute Kinderschar liebevoll zurecht.
Ein kurzes Frühstück im Kreise der Familie muss genügen, denn sein Tag wird ein anstrengender sein.Viele Boten und Bittsteller haben sich angekündigt und eine Menge Entscheidungen wollen abgewogen und getroffen werden.

Da sich der städtische Familiensitz recht nah zur Staatskanzlei befindet nimmt Littelsid wie fast jeden Tag den Fussmarsch in ANgriff und stiefelt los. Er begrüßt freundlich die Nachbarn und wechselt mal hier ein Wort mit einem Straßenhändler und tauscht sich da kurz mit einem Handwerker aus.

Die Wachen vor der Kanzlei öffnen ihm nach respektvollen Gruß schnell die Türen und sofort befindet sich Sid im gedämpften aber eifrigen Treiben seiner Arbeitsstätte wieder. Sofort eilt Bruno von Navarra mit einem Stoß Papier auf ihn zu und bespricht mit ihm die Termine des Tages. Nach kurzer Debatte steht der Ablauf und der Verwalter von Spanien befindet sich in seinem Arbeitszimmer.
Ja, lieber Leser, ihr habt richtig gelesen. Spanisch ist das Wort der Stunde. Seid kurzem wurden die Kronen von Kastillien, Aragon und Neapel vereint und ein neuer Staat ist dadurch entstanden. Spanien reicht nun von den italienischen Gestaden der Adria über die Inseln Sizillien und Sardinien bis an den Atlantik. Im Norden reicht der Einfluß bis in die ehemals savoyardischen Provinzen des Hnadelsplatzes Genua und im Süden wird die Straße von Gibraltar kontrolliert. Ein so großes Reich erfordert natürlich eine Menge Kontrolle und Verwaltungsarbeit.

Nachdem sich Littelsid mit der frühen Post beschäftigt und schon einige ANweisungen unterschrieben hat, erscheint schon der erste Besucher des Tages.
Der Vorsteher des Büros für ausländische Kontakte tritt schnell ein und setzt sich vor den edlen Arbeistisch.

"Eure Exzellenz durch die jüngsten Entwicklungen haben wir unser Bündnis mit Östrreich verloren, wie gedenkt der König und ihr damit umzugehen? Wie wird sich jetzt unsere diplomatische Marschrichtung entwickeln?" fragt er leicht besorgt.

Ein konzentriertes Stirnrunzeln später fängt Sid an zu erläutern.

"Nun ja das Bündnis mag aufgehoben sein aber wir haben immer noch eine Staatsehe und ich denke das der Kaiser sich auch weiterhin an unsere Absprachen über Italien halten wird. Somit sehe ich in diesem Fall keinen Grund etwas an unseren guten Beziehungen zu ändern. Vielmehr sollten wir uns mit dem korrupten Kirchenstaat befaßen und uns eine strategische Landbrücke zu den neapolitanischen Besitzungen errichten. Ich denke der Kaiser sollte kein Interesse an einer Verschlechterung unserer Beziehungen haben, da der Handel zwischen unseren Länder floriert und beide Seiten nicht vielgewinnen würden bei einer Eskalation."

Ein wenig beruhigt lehnt sich der Vorsteher zurück und fängt an die neuesten diplomatischen Nachrichten zu verkünden. Es ist nicht viel von großem Interesse. Lediglich der religiöse Umschwung im Heiligen Römischen Reich erhält gesteigertes Interesse. Zwar verhält sich ja die spanische Diplomatie höchst tolerant gegenüber anderen Religionen aber trotzdem können solch Instabilitäten Begehrlichkeiten und Zwist in Europa hervorufen und in Spanien möchte man gewappnet sein.

Nachdem der erste Besucher des Tages gegangen ist, erscheint ein Diener mit einer Tasse dampfenden Kaffees. Dieses Getränk ist über marrokanische Händler nach Spanien gekommen und erfreut sich wachsender Beliebtheit in vielen Kreisen der Bevölkerung. Auch Littlesid gehört dazu und ohne diese Stärkung scheint ihm kein Arbeitstag mehr zu schwer.

Während er sich entspannt einen kurzen Moment der Ruhe und Entspannung hingibt wird ihm der Besuch des schwedischen Botschafters gemeldet, der auch kurz darauf den Raum betritt.
Beide Männer kennen sich schon eine Weile und verstehen sich ausgezeichnet. Das der Botschafter ein Cousin des schwedischen Königs ist erleichtert die Kommunikation der Bündnispartner ungemein.

"Seid gegrüßt werter Olaf. Wie geht es Euch an diesem wunderschönen Tag?"

"Seid ebenso gegrüßt geschätzter Littelsid. Und ihr habt recht. Dieser Tag ist wieder ein sehr schöner Tag in Spanien."

"Aber lasst mich gleich zum ernsten kommen, wir werden am nächsten Sonntag hoffentlich mehr Zeit für entspannte Gespräche haben, da ich Euch gern zu meinem Geburtstag einladen möchte. Natürlich betrifft das auch Eure Frau und die Kinder."

"Oh vielen Dank. Wir werden natürlich mit Freuden erscheinen. Aber was bewegt Euch?"

"Ich habe eine Frage und eine Bitte an Euch. Zuerst die Frage. Wie gedenkt ihr mit den europäischen Entwicklungen der letzten Monate umzugehen? Mein verehrter König würde gern vor eurem nächsten Treffen erfahren ob ihr nach dem Ende eures Bündnisses mit Östreich andere Verbindungsmöglichkeiten eruiert und ob Schweden dadurch betroffen werden könnte?"

"Mein lieber Olaf, an unserem Bündnis wird sich natürlich nichts ändern und wir werden keine neuen Bündnisse eingehen die euren Interessen entgegen laufen. Wir werden vielmehr versuchen das sich aufheizende Klima innerhalb Europas zu beruhigen. Kriege zwischen großen Nationen bringen gemeinhin mehr Verderben als sie einbringen. Aber wie steht es um eure Bitte? Was kann ich für Euch tun?"

Sichtlich beruhigt fährt der Botschafter fort. "Der König bittet Euch um einen illustren Gefallen. Der Bruder des Thronfolgers soll mittelfristig unser Außenminister werden und bevor dies geschieht, wird er eine Reise durch Europa antreten um Kontakte zu knüpfen und Länder sowie Dynastien kennenzulernen."

"Das ist eine sehr gute Idee, sich auf solche Arte auf diese Aufgabe vorzubereiten." erwidert Littelsid.

"So sehe ich das auch. Und es wäre uns eine große Ehre und Freude, wenn er seine Reise in Spanien beginnen könnte. Es ist ein großes vielfältiges Land und unsere Herrscherhäuser sind nun schon viele Jahrzehnte aufs Beste miteinander verbunden."

"Dann soll es so sein. Meldet Eurem König es wird uns ein Vergnügen und eine Ehre sein, seinem Sohn Spanien zu zeigen. Es wäre prinzipiell von Vorteil diese Reise in Sevilla zu starten. Wenn mir dieser Vorschlag gestattet sei."

"Habt Dank und ich werde euren guten Vorschlag weiterleiten."

Nach einer kurzen aber freundschaftlichen Verabschiedung, widmete sich Littelsid seinen weiteren Aufgaben, des Vormittages. Nach einigen Stunden konzentrierter Arbeit erschall die Glocke der königlichen Kirche und mit einem Seufzen legte Sid die Papiere beiseite um sich zum hiesigen Markt zu begeben. Dort würde er sich ein leckeres Mittagessen genehmigen und kurz die Seele und Gedanken baumeln lassen. Da die wenigsten Menschen wussten wer er eigentlich war konnte er sich solche Ausflüge inkognito jederzeit erlauben und benötigte keine Wachen.

Nun lassen wir unseren hungrigen Verwalter allein und warten darauf was am Nachmittag geschehen wird.

(Anmerkungen des Autors: keine......)

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 18. Dezember 2018, 14:22

Ein ganz normaler Arbeitstag (nach dem Mittagessen)!

Littlesid betritt gesättigt und ausgeruht das Kanzleigebäude, klopft sich den Straßenstaub ab und beauftragt einen dümmlich in der Gegend herumlungernden Kanzleiboten sofort nach Bruno von Navarra zu suchen.
Nachdem der Bote abgetrabt ist, wendet sich Sid den Treppen zu seinem Arbeitszimmer zu und wälzt auf dem Wege weiter Gedanken.
Trotz seiner Zuversicht was die diplomatische Gesamtsituation in Europa angeht, kann er ein gewisses Maß an Verunsicherung nicht verhehlen. Um nicht getrieben zu werden entschließt er sich einen Brief an den Kaiser in Wien aufzusetzen. Die langjährigen, guten Beziehungen sollten aufrechterhalten werden. Wiedermal verfluchte er den unseligen Einfluß der Religion auf die Politik.
In seinem Arbeitszimmer angekommen schickte er einen weiteren Dienstboten nach Kaffee und edlem Papier. Der Kaiser sollte seinem Rang angemessen einen ordentlichen Brief erhalten.
Ja auch auf solche protokollarischen Feinheiten achtete er penibel.

Ein paar Augenblicke später erschienen sowohl der Kaffee als auch Bruno von Navarra im Zimmer. Ersterer dampfend und duftend, zweiterer verschwitzt und aufgeregt.
Beim Anblick seiner rechten Hand musste Sid schmunzeln. Hinter der etwas korpulenten und schnaufenden Fassade befand sich ein wacher und zupackender Geist der ihm viel Arbeit abnahm und höchst zuverlässig und vertrauenswürdig arbeitete.

"Wenn ihr weiter so schlemmt, mein Lieber, wird euch euer Bauch immer mehr eine Last sein." frozelte Littelsid.

"Ach lasst mir doch diese Freude, euer Exzellenz. Bei soviel Arbeit und Aufregung braucht die Seele irdische Nahrung um fest und froh zu sein." erwiderte Bruno, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

"Es sei euch gegönnt aber lasst uns gleich mit der Arbeit anfangen."

"Worum geht es denn?" neugierig tart Bruno an den Tisch. Da sah er das feine Papier. "Oh ein Brief an den schwedischen König oder den Kaiser in Wien?"

"Wo ihr schon so fragt , an beide."

"Was soll der Inhalt sein und wofür braucht ihr mich?"

"Euch brauche ich um mich zu beraten und damit ihr sie schreibt. Ihr wisst meine Schrift war noch nie die Beste. Und wir wollen doch nicht das in Stockholm oder Wien jemand denkt wir würden unsere Post von verrückten Hühnern schreiben lassen."

"Oh aber natürlich, ich hole nur schnell meine guten Federkiele und dann stehe ich Euch zur Verfügung." nach diesen Worten schoß Bruno wie ein Kugelblitz aus dem Zimmer und Sid war widermal aufs Neue erstaunt, wie ein Mensch mit solch einem Körper so flink verschwinden und auch wieder auftauchen konnte.

Nachdem Bruno zurückgekehrt war feilten die Beiden den gesamten restlichen Tag an den Botschaften. Als alles zu ihrer Zufriedenheit stand, siegelte Littelsid beide Briefe und ließ Bruno die Depeschen zum kaiserlichen Botendienst bringen.

Beide Briefe sollten so schnell und sicher wie nur möglich durch Europa reisen.

Als Bruno den Raum verlassen hatte sinnierte Littelsid noch ein Weilchen vor sich hin. Gleichzeitig goß er sich sozusagen als Belohnung ein Glas Wein ein und nachdem er es geleert hatte machte er sich auf den Heimweg.

Zu Hause angelangt umgab ihn erst eine Stille die ganz im Kontrast zum morgendlichen Lärm stand. Kurz wunderte er sich, aber ihm fiel schnell ein, daß seine Frau nebst den Kindern ja heute auf das Land gefahren war um inmitten der familiären Weinberge und Weiden ein wenig Landluft und Erholung zu tanken.
Auf dem Weg ins Esszimmer erschien die Haushälterin Hedwig in der Tür und begrüßte den Hausherren respektvoll aber nicht unterwürfig.

"Guten Abend Herr. Ich habe euer Abendmahl in die Bibliothek stellen lassen. Ihr liebt doch die Atmosphäre und die Ruhe dort."

"Dank Euch Hedwig. Wie immer seid ihr an meinem Wohlbefinden interessiert."
Sprach es und wandte sich zur Bibliothek.

Jetzt lassen wir den spanischen Verwalter in seiner Bibliothek und mit seinem Abendessen allein. Hoffen wir es wird ihm munden und Spanien wird es weiterhin gut ergehen.

(Anmerkung des Authors: Was wird in Spanien zu Abend gegessen? Werden die Brief ankommen? Was stand in Ihnen? Und welche Weihnachtsgeschenke muss ich noch kaufen? Wie immer ein Wust an Fragen und keine Anworten. ;-)

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 9. Januar 2019, 12:03

[align=center]Das Ende einer Ära[/align]


Eine dürre, schwarze Katze sitztz auf der alten Königsstraße von Toledo. Es ist ein milder Vormittag im Januar und der kleine Panther scheint irritiert ob der Ruhe zu sein. Denn normalerweise wäre um diese Tageszeit eine Menge Gewühl und Geschrei und anderer Lärm auf und um dieser Straße herum.
Aber nun nichts dergleichen. Nun gut ein paar vereinzelte Menschen sind unterwegs und ein zwei Reiter aber kein Vergleich zu sonst.
Was ist also geschehen? Ist die Pest ausgebrochen, droht Krieg, wurde wiedermal ein damischer Hund überritten? Die Katze weiß es nicht. Auf einmal spitzt sie ihre Ohren , schaut auf den Beginn der Straße, erhebt sich langsam und trottet gemächlich richtung Straßenrand, springt auf ein Fass und von dort auf ein kleines Vordach von einem kleinen aber feinen Weinladen.
Mit zusammen gekniffenen Augen fixiert sie die Straße.
Nun wäre auch für minderbemittelte menschliche Ohren etwas zu hören.
Viele Schritte, dazwischen Pferdegeklapper auf dem Pflaster und ein gedämpftes Summen und Brummen viler Stimme. Übertönt nur vom traurigen Gesang eines Kirchenchors.
Da biegt ein schwarzes, schlankes Araberpferd in die Straße ein. Auf ihm sitzt in schwarzem Gewand der spanische Kaiser. Kurz hinter ihm schreitet ein großer mitteljunger Mann der neben einer Sänfte mit einer älteren aber immer noch schönen Frau. Darufhin folgen weitere erwachsenen Menschen die alle für spanische Verhältnisse recht groß sind.
Neugierig stellt der kleine, dürre Panther seine Putzungen ein und setzt sich auf. Wäre sie mit den politischen Verhältnissen in Spanien vertraut würde sie in diesen Menschen die Familie der Littlesids erkennen. Einen nicht mehr ganz jungern kleineren aber dafür umso dickeren Mann zwischen ihnen würde sie als Bruno von Navarra erkennen. Alle sind schwarz gekleidet und just in diesem Moment biegt eine schwarze ungeschmückte Kutsche mit einem schlichten Holzsarg um die Ecke. Auf ihm ein großes,samtenes Kissen mit Orden und Ordensketten.

Es ist der Sarg von Littelsid Tertius.

Hinter dem Sarg schreiten viele hochstehende Personen (das weiß die Katze nicht dient aber der Erzählung ;-)).
Man erkennt die Botschafter der afrikanischen Vereinigung, den designierten Thronfolger von Schweden, den Außenminister von Bulgarien, den ersten Legaten des Papstes, eine Abordnung von Habsburgern (an der prägnanten Lippe zu erkennen, den britischen Konsul und viele weitere Mitglieder des diplomatischen Korps.
Mit kurzem Abstand folgen viele Vertreter der spanischen Handelshäuser, angereist von vielen Standorten des weitgespannten Handelsnetzes, die Zünfte und Kirchen orden folgen dahinter , danach viele Mitarbeiter der Staatskanzlei und Mitglieder des Kaiserhofes.
Mit etwas Abstand folgt ein Kirchenchor dem der Gesang zu verdanken ist. Und danach folgt eine riesige, vielfältige und trauernde Masse an Menschen, einfachen Bürgern der Stadt und des Landes, Bauern, Soldaten,Seefahrern, Priestern, Huren, Spielleuten. Alte, Junge, Große und Kleine. Dicke sowie Dünne.
Alle wollen auf ihre Weise vom geachteten Littelsid Abschied nehmen.
Er ist in einem stolzen Alter, friedlich entschlafen nachdem er seine Amtsgeschäfte an seinen Sohn abgegeben hat.
Seine Leistungen für Spanien sind einmalig. Unter seiner Kanzlerschaft enstand das Kasierreich Spanien, fast alle Provinzen des Handelsplatzes von Genua wurden unter spanische Kontrolle gebracht.
Die amerikanischen Kolonien werden von Monat zu Monat stärker und reicher. Die Armee ist modern und gut trainiert. Der Handel brummt und das Handwerk ist dynmisch und stark. Die spanische Armada ist eine der besten Flotten der Welt und die diplomatischen Beziehungen zu allen Nachbarn erfreuen sich gutem Einvernehmens.
Es ist also ein sehr erfolgreiches Lebenswerk und erklärt auch die mannigfaltige Wertschätzung dieses Mannes.

Nach geraumer Zeit (ein bis zwei Stunden) ist der Trauerzug an der Katze vorbeigezogen und wieder liegt eine seltene Ruhe über der Straße. Sie streckt sich, gähnt, springt auf den Boden und schlendert Richtung Markt in der Hoffnung einen kleinen Fisch oder ähnliche Geschenke von den Händlern zu erhalten.

(Anmerkung des Authors: Welche Ära bricht jetzt an? Wird Littlesid Quartus ein ähnlich guter Verwalter sein? Und bekommt die Katze wirklich ein Geschenk auf dem Marktplatz? )

Littlesid80

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 15. Januar 2019, 18:02

Geschichten aus der Neuen Welt

Wir befinden uns im Arbeitszimmer (Nicht zum ersten Mal wie der erfahrene Leser erkennen wird. Aber es geht ja hier um eine Verwalterchronik.) des spanischen Gouverneurs der Kronkolonie der Rum Piraten.
Diese älteste spanische Kolonialnation ist berühmt für seine Zuckerrohrschnäpse, ihre Tabakprodukte und die ausgeprägte Lebenslust ihrer EiInwohner.

Aber zurück in das Arbeitszimmer. Dicker Zigarrenrauch steigt über dem Arbeitstisch des Gouverneurs auf und unwilliges Gemurmel quillt aus dieser Wolke. Scheinbar ist der Governeur (den wir ob des Qualms noch nicht erkennen können) über irgendwas verstimmt. Ein klackendes Geräusch nähert sich der Zimmertür und wird gefolgt von einem kräftigen Klopfen an derselben.

"Herein in Gottes Namen" schallt es aus der Qualmwolke.

Mit leisem Knarren öffnet sich die Tropenholztür und eine skurille Erscheinung tritt herein. Ein schon in die Jahre gekommener Mann, wettergegerbt, zerfurchtes Gesicht und einem Kaptänshut erscheinen. Skurill an dieser Person sind ein Papagei auf der Schulter und ein formidables Holzbein, sowie geflochtene Zöpfe im schwarz-grauen Haar.

"Arrrrrrhhhhh Gouverneur ich grüße Euch. Ich möchte alsbald die Segel setzten um in die alte Heimat zu reisen. Die Ladung ist verzurrt, der Proviant gefasst, die Männer wieder halbwegs nüchtern und der Wind ist eine Freude für einen alten Seebären. Es fehlt nur noch euer Brief für den Verwalter des Kaisers."

"Ey Kapitän Blaubär, ich weiß." grummelt es aus der Wolke und der Umriss der Person erhebt sich und tritt hinter dem Tisch hervor. "Ich weiß ja aber ihr wisst ja wie ich den Schriftverkehr mit der kaiserlichen Kanzlei hasse."

Der Gouverneur ist ein staatlicher Mann.Ebenfalls nicht mehr der jüngste aber auch noch kein Greis. Eine rotgeäderte Trinkernase und ein gelber Bart zieren das breite und in der Grundidee freundliche Gesicht.

"Und der Brief auf den ihr wartet ist noch nicht mal ein gewöhnlicher Bericht. Es ist die Antwort auf das Antrittsschreiben des neuen kaiserlichen Verwalters."

"Arrrrrrhhhh was soll daran schon anders sein, eure Exzellenz. Ein Brief nach Spanien ist doch immer dasselbe, oder?" gurgelt es aus dem Kapitän heraus. Währenddessen setzt sich der Kapitän an einen kleinen, runden Tisch auf dem mehrere edle Glaskaraffen stehen und schenkt sich ungefragt ein Glas ein. "Ihr habt doch nur Gutes zu berichten. Die Häfen quellen über vor Hnadelsschiffen aus der halben Welt, die Plantagen gedeihen, unsere Mutter Kirche hat hier viele neue Anhänger unter den Ureinwohnern erhalten und die früheren Freibeuterüberfälle gehören auch der Vergangenheit an."

"Eyyy da habt ihr recht. Aber es scheint, daß der neue Verwalter (Anm. des Authors: Es kann sich nur um Littlesid Quartus handeln.) von weniger joviale und entspannte Natur ist als sein verstorbener Vater. In seinem Antrittsschreiben folgte Auftrag auf Nachfrage auf Hinweis auf Rüffel. Zugegebenermassen alles kein Unsinn und auch geschliffen formuliert aber im Grundton kühl und ein wenig ungeduldig."

Seufzend platziert sich der Gouverneur auch an den Tisch und schenkt sich ebenfalls ein Glas ein. Sich gegenseitig zu prostend leeren die beiden Männer ihre Gläser und seufzen genießerisch.

"Einen wunderbar weichen und schmackhaften Rum habt ihr hier." knarrzt der Kapitän und gibt dem Papageien eine Erdnuss aus einem großen Lederbeutel an seinem Gürtel.
"Ja das ist die neueste Charge aus der hiesigen Brennerei."entgegnet nickend Gouverneur Rotnase (Er heißt natürlich nicht so aber aus dramaturgischer Absicht wollen wir ihm diesen Namen geben.)
"Ich gebe euch zwei Kisten davon mit auf Reise. Eine für euch und eine mit dem Brief an den Verwalter. Hoffentlich kann er ihn schätzen und trinkt nicht nur Rotwein wie sein alter Herr."

"Arrrrrrrhhhh sollte er das nicht tun ist er eine ignorante Landratte ohne Geschmack und gehört gekielholt." kollert es aus dem Mund von Kapitän Blaubär. "Aber was ist nun mit dem Brief. Mich zieht es auf die See und Kapitän Sparrow (Er deutet auf den Papagei.) vermisst die Seeluft."

Seufzend erhebt sich der Gouverneur, tritt an den seinen Arbeitstisch und nimmt einen offenbar langen Brief herunter.

"Er ist ja eigentlich fertig aber ich befürchte ich habe was vergessen. Nur weiß ich nicht was. Ich schreibe von unseren wirtschaftlichen Erfolgen, von unseren erfolgreichen Eroberungen in Süd- und Mittelamerika. Vom Wachsen unserer Flotte, der Stärke unserer Kolonialarmee und unserem guten Einvernehmen mit den anderen Kolonialnationen und den Azteken. All das ist gut und schön und sollte dem Verwalter erfreuen. Aber irgend etwas habe ich vergessen." Sorgenvoll überliest er derweil den Brief.

"Arrrrhhh habt ihr was über Katzen geschrieben? Ihr wisst doch Katzen sind die Lieblingstiere der Littlesids. Sie haben sie sogar in ihrem Familienwappen. Ich finde den roten Kater der mit einer Weinflasche schmust ein amüsantes Wappenbild."

"Haaaaa genau das ist es. Ich habe vergessen zu erwähnen daß wir im Süden große gepunktete Großkatzen entdeckt haben. Die Einheimischen nennen sie Jaguare. Stolze Tiere, die leider gerne Nutzvieh reißen und auch vor Pferden und Alligatoren keinen Halt machen. Aber ich denke das wird den Verwalter erfreuen."

Auf diese Äußerung hin setzt sich Gouverneur Rotnase an seinen Tisch und während er sich mit kratzendem Federgeräusch dem Brief zuwendet, gießt sich Kapitän Blaubärnoch ein großes Glas Rum ein.

Eine Stunde später verlässt Kapitän Blaubär sichtlich betrunken, Zigarre qualmend und schwankenden Schrittes den Gouverneurspalast und wendet sich Richtung Hafen.

Dort angekommen brüllt er seinen Matrosen die Befehle zum Ablegen zu und besteigt sein Schiff. Es trägt bezeichnenderweise den Namen "Betrunkene Schiffskatze". Und mit einem frischen Wind in den Segeln verlässt kurz darauf die "Schiffskatze" den Hafen um wertvolle Güter und einen Antwortbrief nebst Kiste Rum nach Spanien zu befördern.

(Anmerkung des Authors: Sind diese Spanier alles potentielle Säufer? Dauernd geht es um Wein und nun um Rum. Warum hat Kapitän Blaubär ein Holzbein? Wieso nennt man einen Papageien Kapitän Sparrow. Und alle Ähnlichkeiten im Namen, Aussehen oder Handeln mit bekannten Personen sind zufällig und aus dramaturgischer Sicht gewollt.)

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 28. Januar 2019, 19:07

[align=center]Ist jetzt nun Krieg oder können wir nach Hause?[/align]


Im Hauptquartier der kaiserlich-spanischen Armee in Südfrankreich.
Littlesid (der Vierte) tritt aus dem Gasthaus, in dem er während seines Inspektionsbesuches untergebracht ist, heraus und wird von seinem Verbindungsoffizier der 1. Armee empfangen.

"Seid gegrüßt Eure Exzellenz. Ich bin ihr Adjutant während Eures Aufenthaltes und soll ich sobald ihr es wünscht zum General geleiten." eröffnet die große, klobige Gestalt des Offiziers.

Mit kritischem Blick mustert Littlesid den Hauptmann und erwidert: "Und euer Name ist, Hauptmann?"

"Oh verzeiht meine Unachtsamkeit. Ich bin Hauptmann Krappotke vom Stab des Generals. Ich bin hier auch bekannt als Känguru-Krappotke. Aber diesen Namen mag ich nicht."

"KÄNGURU-Krappotke?????" Littlesid´s Irritation nimmt noch mehr zu als er diese Worte herausstößt.

"Ja nun ähm , also das ist so, wenn ich es erläutern dürfte..."

"Nur zu erleuchtet mich, denn sowohl Euer Familienname wie auch euer Spitzname mutet mir doch sehr merkwürdig an."

Etwas verunsichert tritt der Hauptmann auf der Stelle und fängt an zu erzählen.

"Also ich bin in jungen Jahren als Matrose auf einem britischen Erkundungsschiff unter Kapitän Marc-Uwe Blade geafhren. Während der Reise entdeckten wir einen neuen Kontinent, den man nun unter dem Namen Australien kennt. Und dort gibt es merkwürdige Tiere. Sie hüpfen auf ihren Hinterbeinen, können vorzüglich Boxen und haben vor ihrem Bauch einen Beutel. Keiner hat bisher herausgefunden wofür. Und nun ja wir haben eines dieser Tiere gefangen. Und stellt Euch vor es konnte sprechen. Allerdings nur wirres Zeug. Irgendwas von Kommunismus, Pinguinen und Schnapspralinen. Nach unserer Rückkehr wurde es dem preußischen König geschenkt. Es ist ihm dann aber in Berlin irgendwie abhanden gekommen und seitdem nie wieder gesehen worden. Und ich habe lange Zeit, wenn irgendwas schief gelaufen ist geflucht: Was zum sprechenden Känguru ist hier passiert. Naja und so kam ich zu dem Namen."

"Eine abstruse Geschichte, möchte ich meinen. Wie seid ihr denn dann überhaupt in unsere Armee gelangt?"

"Ich bin über eine Austauschprogramm in die päpstliche Schweizer Garde gelangt und dort zum Leutnant aufgestiegen. Da wurde es mir aber auf Dauer zu langweilig und als die spanische Armee ebenfalls ein Austauschprogramm gegründet hat bin ich hierhergekommen und geblieben. Der General schätzt mein Organisationstalent und meine Gründlichkeit, deswegen bin ich für die Logistik und das Transportwesen innerhalb der Armee zuständig. Und nun bin ich auch noch euer Adjutant eure Exzellenz."

Littelsid gab sich mit dieser Begründung zufrieden und schritt Richtung Stall um sich ein Pferd zu besorgen. Er genoß es auf solchen Inspektionsreisen zu Reiten und den Etiketten des Madrider Hofes zu entfliehen. Diese Eigenart hatte schon manchen protokollarischen Ablauf auf seinen Reisen mächtig auf den Kopf gestellt und manch Provinzbeamten oder Lokal-Adligen in die Verzweiflung gerissen.

Während die beiden in ruhigen Trab Richtung Feldlager ritten, erkundigte er sich bei Hauptmann Krappotke über den Stand des Feldzuges gegen das neugründete Frankreich.

"Sagt Hauptmann. wie läuft der Feldzug denn so. Wie schlagen sich unsere Truppen und unser Gegner?"

"Welcher Gegner eure Ezellenz? Wir haben bisher noch keine franzöischen Truppen gefunden. Noch nicht einmal Spähkommandos sind uns begegnet. Die Garnisonen der Festungen verrammeln für zwei Wochen ihre Tore, dann öffnen sie sie wieder und übergeben sie uns kampflos. Die Verwaltungen in den südlichen Präfekturen Frankreichs haben sich uns mit Begeisterung angeschlossen und kooperieren mustergültig. Keine Kampfhandlungen oder ähnliches. Man könnte meinen sie sind froh darüber nicht mehr unter der Kontrolle von Paris zu stehen."

"Nun gut das kann man verstehen, diese Gebiete waren bis vor ein paar Jahren ja noch burgundisches Territorium." erwiderte Littlesid.

"Das mag sein aber wo ist die franzöische Armee. Ich weiß aus den Geschichtsbüchern, dass im letzten Krieg Kastilliens gegen Frankreich, die franzöischen Truppen mutig und mit Elan angegriffen haben und sich tapfer schlugen. Aber heutzutage...." bekümmert zuckt Krappotke mit den Schultern.

"Ja das ist schon merkwürdig aber vielleicht ist das eine Folge davon, wenn sich ein kleiner, ungeschickter Herzog zum König aufschwingt und dann als Parvenü über das diplomatische Parkett trampelt."

Ein kurzes Lachen entfährt dem Hauptmann und er entgegnet sogleich: " Eine interessante Hypothese. Aber das Absurdeste habe ich euch noch gar nicht erzählt. Eine woche nach Kriegsbeginn kam eine französische Delegation in unser Lager, mit einer Note des franzöischen Königs. In dieser Note stand und jetzt haltet euch am Sattel fest. Der franzöische König erkennt diesen Krieg nicht an. Könnt ihr das verstehen? Wie kann man einen Krieg nicht anerkennen. Er ist doch da, wenn man ihn erklärt bekommt. Der verschwindet doch nicht einfach wie eine Staubflocke die man wegpustet. Diese Nachricht hat für reichlich Verwirrung gesorgt aber General Quijote hat dann auf den Tisch gehauen und gesagt, das es die spanische Armee nicht interessiert ob der Krieg anerkannt wird oder nicht und dann sind wir weitermarschiert."

Kopfschüttelnd hatte Littlesid den Ausführungen gelauscht.

"Vielleicht ist das alles nur eine perfide List um uns in Sicherheit zu wiegen?" entgegnete er nach einer kurzen Bedenkzeit.

"Das solltet ihr dann besser mit dem General diskutieren. Wir sind gleich im Lager."

Und mit diesem Satz ritten die beiden Männer weiter und bogen von der zertrampelten Hauptstraße in ein großes Armeelager ab.

(Anmerkung des Authors: Wo steckt nun die französische Armee? Was ist in den König gefahren? Und wo steckt das Känguru? Vielleicht finden wir einige Antworten erst in ein paar Jahrhunderten.)

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Re: [Europa Bulliversalis 3] Die Kastilischen Verwalter - Eine Familienchronik

Beitrag von Littlesid80 » 5. Februar 2019, 20:20

Ein peinlicher Krieg

Die Wiener Hofburg, Residenz des Kaisers des HRR´s.
Ein gemütlicher Audienzraum.

In gemütlicher Atmosphäre und ausgestattet mit Spezialitäten der unterschiedlichen Regionen des Heiligen Römischen Reiches sitzen der Markgraf von Bayern als Repräsentant und Vertreter des Kaisers, der englische König und Littlesid der Vierte als Vertreter Spaniens in angeregter Gesprächsatmosphäre beieinander.

Das Thema ist die zukünftige Aufteilung des neugegründeten Frankreichs.

Gerade gab der Markgraf eine witzige Anekdote von seinem letzten Besuch in Frankreich zum Besten und alle Beteiligten hatten herzlich gelacht.

In diesem Moment beritt ein Diener den Raum und bleibt unsicher in der Tür stehen.

"Was gibt es Franz? " fragt ihn der Markgraf.

"Ähm, also , hmpf, murmel euer Gnaden vor der Tür stehen euer Staatssekretär für Außenpolitik und der Botschafter von Bulgarien. Und beide wollen eintreten und beide sind fuchsteufelswild aufeinander losgegangen. Die Wachen hatten sichtlich Mühe sie auseinander zu bringen."

"Soso, dann lasst den Bulgaren als Ersten herein. Sie sind ein heißblütiges Volk."

Kurz darauf betritt ein arg zerzauster Diplomat der Bulgaren den Raum. Mit schnellem Schritt und finsterer Miene nähert er sich den sitzenden Herren.

"Seid gegrüßt Botschafter." begrüßt der Bayer den Bulgaren jovial. "Was führt Euch in unsere vertraute Runde und warum seid ihr so echauffiert ?"

In heftigem aber akzentfreien Deutsch (was in Wien bekanntermaßen eher selten gesprochen wird) brechen folgende Sätze aus ihm heraus.
"Warum ich so erregt bin mein Herr? Nun ja es gibt zwei Dinge. Das erste ist, das ihr Euch scheinbar auf ruchlose Art und Weise der Krone Frankreichs bemächtigt habt und damit das schon so angeschlagen Gleichgewicht in Europa zum Kippen gebracht habt. Und die zweite Sache ist die Kriegserklärung Bulgariens an das HRR um den Thronanspruch anzufechten. Wir werden die Schweden hinzurufen." Sich an Littlesid wendend "Gleichzeitig werden wir von Spanien den Bündnisfall einfordern."

Nach dieser unhöflichen und harschen Verlautbarung verlässt der Botschafter flinken Fußes den Raum.

Ein kurzer Moment betretenen Schweigens erfüllt den Raum. Die Stille wird durch das Erscheinen des Staatssekretärs für Äußere Angelegenheiten unterbrochen.
"Eure Exzellenz Markgraf, wir haben eben die französische Krone geerbt und gleichzeitig wurde uns der Krieg erklärt. Von Bulgarien. Außerdem wollen sie Schweden und Spanien dazurufen."

"Erzählt mir was Neues!" knurrt der Markgraf.

"Ähm in der Nähe der Hofburg hat ein neuer Bäcker aufgemacht und meine alte Hauskatze ist heuer verstorben?" erwidert sichtlich irritiert und geschockt der Sekretär.

"Macht Euch vom Acker ihr impertinenter Bürohengst." herrscht der Markgraf den Sekretär an.

Mit hängendem Kopf verlässt ein betrübter Diplomat den Raum.

Daraufhin erhebt sich mit versteinertem Gesichtsausdruck Littelsid aus seinem Sessel.

"Wie wird Spanien auf den Ruf zu den Waffen reagieren?" fragt der Brite Littlesid. Diplomatisch wie die Insulaner sein können möchte er den beiden anderen Männern ersparen dieses Thema anzuschneiden.

"Ich habe leider nicht die Befugnisse ein bestehendes Bündnis ohne Rücksprache aufzulösen. Wir werden also dem Ruf folgen müssen." antwortet sichtlich erschüttert der Spanier.

An den Markgrafen gewandt. "Eure Exzellenz wenn mir dazu noch ein persönlicher Kommentar erlaubt sie?"

Ein schwaches Nicken des Bayern erfolgt.

"Ihr dürft mir Glauben das mir diese rüde und unerwartete Kriegserklärung sehr gegen den Strcih geht umso mehr da wir nun schon so lange gute Beziehungen pflegen. Aber wenn wir ein offizielles Bündnis in so einer Situation brechen würde die spanische Repuation weltweit massiven Schaden erleiden. Ich hoffe ihr versteht das. Zusätzlich werde ich unsere Generäle anweisen ggf. die österreichischen Besitzungen und die Bevölkerung zu schonen. Mehr kann ich in dieser Sache im Moment tun."

Mit einem kurzen Nicken an die beiden Herren verlässt Littlesid daraufhin den Raum.



(Anmerkung des Authors: Wie unangenehm muss es wohl sein, gemütlich zusammen zu sitzen und wichtige Dinge zu besprechen um minuten später einem der Anwesenden den Krieg zu erklären? Wird sich der Staatssekretär für Äußere Angelegenheiten eine neue Katze besorgen? Was für leckere Dinge hat der neueröffnete Bäcker nahe der Hofburg im Angebot?)

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