Talkrunde zu History Games

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writingbull
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Talkrunde zu History Games

Beitrag von writingbull » 10. Juni 2018, 10:34

https://youtu.be/ut0_5FGyLn8


Zu den beliebtesten Computerspielen gehören solche, die uns Geschichten in der "echten" Geschichte erleben lassen. Über solche History Games habe ich mit den Let's Playern und YouTube-Kollegen Le petit capo, Steinwallen und Tastenhauer diskutiert. Hier unsere Talkrunde!
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SinBringer
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Re: Talkrunde zu History Games

Beitrag von SinBringer » 10. Juni 2018, 18:11

Hallo Daniel, schön fand ich Deinen Einwurf, dass in Sachen Realismus Spiele fast schon zwingend nicht die volle Komplexität einer historischen oder realen Situation oder Entwicklung abbilden können, weil es dann kein Spiel mehr wäre und da müsste man die Frage dranhängen, wäre es dann nicht auch einfach langweilig, eben weil es ZU realistisch und komplex daher kommen wollen würde und fast schon eine Lebenssimulation sein müsste. Auch eine Simulation kann niemals nur im Ansatz die Realität wieder geben, daran scheitern schon die Meteorologen trotz all ihrer Wettersimulationen oftmals, weil ihre Modelle aufgrund derer sie ihre Voraussagen treffen nicht 100%ig sein können, da wir hier von unglaublichen Datenmengen reden, die dort einfließen.

Realismus und Spiele ist eine Sache die - wie eigentlich auch die Geschichte - sich nicht aus unserer heutigen Sicht einfach so verstehen und nachvollziehen lässt, man muss immer auch versuchen die Situation der Handelnden und deren Gedankenwelt heranzuziehen und alles in ihrem subjektiven Kontext zu deuten.
Das voran gestellt, könnte man auch sagen: Friedrich der Große war ein grausamer absolutistischer Herrscher wie viele andere Zeitgenossen ebenfalls, auch er hat Leid und Elend seiner Untertanen billigend in Kauf genommen wenn er Kriege führte oder Preußen angegriffen wurde aufgrund seiner Machpolitik.
Andererseits aber muss man eben auch sehen, dass er ein - für seine Zeit - aufgeklärter Herrscher war und vieles auf den Weg brachte (Schulpflicht, Abschaffung (weitestgehend) der Leibeigenschaft, das Verwaltungswesen und Beamtentum), das deutlich seiner Zeit voraus war.
Von daher muss man vielleicht den Begriff des Realismus in Spielen viel näher in die Richtung "Nachvollziehbarkeit einer Spielmechanik" bewegen als in die Richtung historischer Korrektheit, denn in die Gegebenheiten wird man sich aus unserer heutigen Sicht nur sehr begrenzt hinein versetzen können, in das Fühlen und Wahrnehmen dessen was der historische Charakter erlebt, wie er zu dem wurde was wir heute von ihm zu wissen glauben und wie wir es mit unserer heutigen Sicht bewerten.

Man sollte auch dringend vermeiden zu viel in ein Spiel hineininterpretieren zu wollen, natürlich ist der Reiz immer da "die Geschichte umzuschreiben" - wobei man ja ein "Was wäre wenn" ohnedies nicht realistisch darstellen könnte weil zu viele Kleinigkeiten mit einer veränderten Entwicklung ebenfalls anders verlaufen wären, nehmen wir den amerikanischen Bürgerkrieg- wo wohl jeder eher dazu neigt die Südstaaten zum Sieg führen zu wollen - was aber dann nicht zwingend heißen muss, dass der Spieler die Sklaverei befürworten würde, ebenso verhält es sich mit dem Spieler der das Deutsche Reich in HOI führen und sicherlich das Spiel erfolgreich gestalten möchte.

Von daher fand ich auch die ganze Diskussion um "Kingdom Come: Deliverance" etwas irrsinnig, als beispielsweise den Entwicklern zum Teil vorgeworfen wurde keine farbigen Protagonisten darzustellen, wobei man die Frage in den Raum werfen könnte wie viele Araber oder Afrikaner oder Asiaten wird es wohl im 15ten Jahrhundert in Böhmen gegeben haben ~X(
Und wenn man denn schon ein realistisches Bild dieser Zeit darstellen will wird man eben auch keine Alice Schwarzers des 20ten Jahrhunderts dort treffen, da wäre dann die Frage angebracht in wie weit in einem solchen (Spiel)-Zusammenhang die political correctness vehement eingefordert werden darf, wenn man sich doch so langsam darauf zu einigen scheint, dass Spiele Kunst sind, werden diese Anfeindungen dann umso schräger.

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