Civilization und 4X … immer dasselbe Spiel?

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DocRaiden
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Re: Civilization und 4X … immer dasselbe Spiel?

Beitrag von DocRaiden » 11. Oktober 2016, 10:13

Shalom_Don hat geschrieben:@DocRaiden
Aber schlussendlich kommt man um bestimmte Mechanismen nicht drumherum und es liegt an den jeweiligen Spielen diese dem Spieler so schmackhaft zu machen das es möglichst keinen immer gleichen Goldenen Mittelweg / Gewinnweg gibt, sondern die Flexibilität in der Wahl der Lösung zum Siege führt und da war es in der Tat vor einigen Jahren noch ein bisschen eingefahrener als dies jetzt aktuell der Fall ist. Ist aber auch nur meine persönliche Meinung.
Das finde ich einen sehr guten Punkt. Dies ist im Übrigen auch mein Hauptmotivator und großer Hoffnungsträger für die künftige KI in Strategietiteln. Keinen Standardweg, sondern auf das Geschehene immer flexibel reagieren können dürfen und dennoch eine Siegmöglichkeit zu haben. Dazu zähle ich auch, dem Spieler so viele Möglichkeiten anzubieten, dass die berühmte Qual der Wahl entsteht. Am besten noch mit Boni und Mali in einer einzigen Entscheidung vereint.
Nichts ist langweiliger als ein vorgegebener Rahmen, den es präzise abzuarbeiten gilt. Da hier schon Vergleiche zu anderen Genres gemacht wurden, ist genau deren festgezurrter Rahmen etwas, was das Strategiegenre unbedingt vermeiden sollte. Und welches Genre bietet denn einen besseren Boden als eben die Strategie?! Mal ein simpler und auf den Punkt gebrachter Vergleich: In einem Jump´n´Run muss ich halt exakt an der oder anderen Stelle abspringen, will ich das Spiel gewinnen. Bei einem Rennspiel kann ich nicht einfach über die Strecke hinausfahren, wenn es nicht gerade ein Off Racer ist. Und selbst das genannte Genre der Shooter präsentiert mir oftmals einen Schlauchlevel, bei dem ich Event um Event triggern muss, damit es weitergeht, wenn auch klasse inszeniert, keine Frage.

Strategie beschreibt ja auch die zielgerichtete Planung für jedes erdenkbare Ereignis, um optimal darauf reagieren zu können. Wenn es immer nur ein klares Ereignis mit einer klaren Lösungsmöglichkeit gibt, die immer funktioniert, dann hat das nicht mehr viel mit Strategie zu tun. Dann wäre auch ich ganz schnell weg vom Genre und würde mir lieber die klasse inszenierten Beispiele von oben antun, denn auch in Sachen Präsentation hat Strategie eine Menge Nachholbedarf. Ich verstehe das gern gesprochene Argument, dass Präsentation in Strategietiteln zweitrangig ist, nebenbei gesagt, nicht wirklich unterstützungsfähig. Meiner Meinung nach ist Präsentation enorm wichtig! Nicht nur im Spiel, denkt nur an Beruf, Privates oder die Beziehung.

Doch ich glaube, das Genre ist da auf einem sehr guten Weg, oder?

IceTeaX
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Re: Civilization und 4X … immer dasselbe Spiel?

Beitrag von IceTeaX » 12. Oktober 2016, 05:22

Da sind sehr gute Gedanken drin DocRaiden,

bei dem "einzig goldenem Weg" musste ich jetzt spontan an GAM denken :D

Insgesamt wäre es doch wünschenswert wenn die Strategie-KI sich dem Verhalten des Spielers stärker anpasst. Die Civ-Reihe hat da schon vieles richtig gemacht (wenn man wenig Militär hat, erklärt einem die KI den Krieg). Leider ist aber auch sowas planbar und vorhersehbar.
Ohne jetzt jemals etwas in Civ-Foren gelesen zu haben, ist meine Lieblingstaktik bei Civ eigentlich immer die Expansion gewesen, dabei schwaches Militär, warten bis einem der Krieg erklärt wird (durch Truppenbewegungen schon vorher zu erkennen), dann auf Militär umschwenken und deffen, warten bis das Friedensangebot kommt und dann dafür Städte verlangen. Das Spiel habe ich immer wiederholt bis der jeweilige Gegner nur noch 1-2 Städte hat.

Irgendwann muss doch endlich einmal der Schritt zu einer "höherentwickelten KI" gelingen. Eine KI die so ein Verhaltensmuster erkennt und darauf eingeht (wie auch immer). Fast bei allen Strategie-Titeln lassen sich ja gewisse Verhaltensweisen der KI provozieren und dann dementsprechend zum eigenen Vorteil nutzen. Hier ist mir die Herausforderung - hat man so eine Verhaltensweise erkannt - häufig zu gering.

Früher habe ich z.B. ziemlich erfolgreich Starcraft gespielt. Da hat man bei guten (menschlichen) Gegnern automatisch verloren wenn man nicht scoutet, erkennt welche Taktik der Gegner hat und dementsprechend agiert. Und hier kommt dann die spannende Komponente dazu, dieses zu erkennen und dementsprechend den Konter zu kontern.
Eine ähnliche Umsetzung würde ich mir halt auch für KIs in Strategie-Titeln wünschen. Verschiedene Siegmodi und Erreichungsmöglichkeiten sind da glaube ich auch der richtige Weg, nur sollte eine KI insgesamt flexibler agieren und gerade bestimmte Taktiken des menschlichen Spielers aufklären, erkennen und auf diesen reagieren.

Auch die Vergleiche zu den andere Genres finde ich hier passend. Es gilt aber immer die Balance zu finden, zwischen spielerischer Freiheit und Story/Atmosphäre. Einige Open-World-Titel leiden ja auch darunter, dass man bei soviel Freiheit etwas verloren ist und mit all den Möglichkeiten nichts anzufangen weiß.
Ich möchte hier mal Stardew Valley als positives Beispiel nennen. Es schafft fast perfekt die spielerische Freiheit zu geben und ihn zeitgleich immer wieder unter (Zeit-)Druck zu setzen. Auch wenn das Spiel in vielen Teilen recht repitativ ist. Aber hier gilt es immer wieder abzuwegen was man als nächstes macht. Baut man zuviele Früchte an, hat man keine Zeit mehr um in die Minen zu gehen, so gelangt man nicht an die wichtige Rohstoffe um seine Werkzeuge/Farm weiter zu entwickeln. Dazu als ein zufällige Faktor das Wetter (Regen,Sonne, Sturm) sowie der tägliche Glücksfaktor als berechenbarer Faktor die Jahreszeiten. Dazu der Wochentagsrhytmus mit wechselnder Verfügbar von Händlern/Angeboten etc. . Dabei verschiedene Zweige (Bergbau, Anbau, Viehzucht, Fischen, Veredlung) welche alle unter Zeitdruck erfüllt werden wollen. Dazu negative Auswirkungen wenn man etwas nicht schafft (Pflanzen vertrocknen, Tiere hungern).
Hier sieht man ein ineinandergreifen vieler verschiedener Mechaniken welche den Spieler immer vor die Qual der Wahl stellen was er in seiner knappen verfügbaren Zeit erledigen kann. Das alles verpackt in einer liebevoll gestalteten Spielwelt.

Zusammenfassend würd ich mir wünschen mehr "gequält" zu werden, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen zu (er-)tragen . Siehe Permadeath (evtl. etwas abgeschwächt :D ).

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