Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Sag W.B. freundlich, aber unmissverständlich, welches Projekt er gefälligst als nächstes angehen sollte.
Maruko_87
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Re: Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Beitrag von Maruko_87 » 5. Dezember 2019, 22:32

Hallo Community

Interessantes, wenn auch schwieriges Thema, welches hier diskutiert wird.
Nach einigen Stunden Bedenkzeit, in welchem Umfang und ob ich hierzu überhaupt auf das Thema eingehen möchte, im Anschluss meine Meinung dazu.
Grundsätzlich bin ich dafür, dass gerade bei heiklen und polarisierenden Inhalten, offen darüber kommuniziert werden darf, oder sogar werden muss,
insbesondere auch bei unterschiedlichen Meinungen.

1.) Leben Menschen im virtuellen Leben ihr eigentlich "böses" inneres Ich aus, was sie in der Realität nicht ausleben können?
Würde die Frage mit dem Kontext zu Abenteuer-Spielen gestellt werden, würden die meisten jetzt mit "Ja, sicher!" antworten, dies macht doch viele Spiele überhaupt aus.
In Kontext Kriegsverbrechen aber, haben bestimmt die meisten von uns schon mal ein Digitales-Kriegsverbrechen begangen. Die Mehrheit zieht hier jedoch bestimmt ganz
klare Grenzen zwischen Virtuell und Realität.

2.) Was bewegt Menschen eigentlich dazu Kriege so detailgetreu in Computerspielen nachspielen zu müssen? Sollte ein Computerspiel nur eine reine Fiktion sein?
Subjektive Frage, muss sich jeder selber stellen.

3.) Wo fangen wir in Sachen Kriegsverbrechen in PC-Spielen an und wo hören wir auf?
Zu befürworten wäre es, wenn sie als Mahnmal mit abschreckender Wirkung behandelt werden würden, dann darf dies zum Spielinhalt gehören.
Es bestimmen jedoch schlussendlich die Konsumenten, welche Inhalte sie vom Entwickler sehen wollen.
Die Bildung/Aufklärung zur Thematik sollte daher idealerweise schon im Vorfeld vor dem Kauf stattfinden (Schule, Familie, Gesellschaft).

4.) Was dürfen wir Nachspielen und zeigen und was geht gar nicht?
Siehe 3.)

5.) Wenn alle Hemmschwellen fallen, gehören Hexenverbrennung, Folterungen oder Vergasung mit dazu?
Siehe 3.)

6.) Wenn PC-Spiele immer detailgetreuer und das virtuelle Erlebnis immer mehr mit der Realität verschmelzen, müssen wir uns dennoch über Amokläufe wundern?
IST leider meines Wissens schon Realität. In einer Fachzeitschrift war einmal der Beitrag darüber, dass die "KI" einer Boden-Kampfdrohne in einem Kriegsspiel integriert wurde, damit diese möglichst viele
Verhaltensmuster der Spieler erlernt, um dann dementsprechend auf dem realem Schlachtfeld zu agieren.
Ob diese Spielerlebnisse zu Amokläufern führen, dazu mehr in 8.)

7.) Sind PC-Spiele also doch nur ein Eingangstor zu einer Welt, die wir eigentlich gar nicht haben wollen?
Subjektive Frage, muss sich jeder selber stellen, mit welcher Thematik er sich konfrontieren will.

8.) Lügen sich PC-Spieler nicht selbst in die Tasche, dass Amokläufe nichts mit PC-Spielen zu tun hat?
Nein, die gabs bekanntlich schon vor der Erfindung des Telefons. Könnte man auch mit dem Thematik Actionfilm vergleichen, als Beispiel: "Stirb langsam" kommt ja immer in der Weihnachtszeit im TV als Blockbuster. Wie viele Amokläufer haben einen der Teile schon gesehen? Wahrscheinlich die Grosse Mehrheit. Hat die gezeigte Gewalt zu Ihrer Tat motiviert oder inspiriert? Nein, deren Motivation hatte mit grösster Wahrscheinlichkeit andere individuelle Auslöser/Gründe.

9.) Was bringen uns nach realen Kriegen und Attentaten, die vielen Gottesdienste, Schweigeminuten und Mitleidbekundungen, wenn wir am nächsten Tag uns vor den PC setzen und wieder virtuell Menschen oder sogar Völker "ausradieren"?
In der heutigen vernetzten Welt finanzierst du mit grosser Wahrscheinlichkeit sogar irgendein Militärapparat, wenn du dir nur eine Banane im Supermarkt kaufst... Bevor wir irgendwem Scheinheiligkeit vorwerfen, z.B. den Kriegsspiel-Spielern, sollten wir uns erst mal mit erster Thematik beschäftigen/bewusst werden, bevor wir richten.

So, dies war meine subjektive Meinung dazu, bei der ich aufpassen musste nicht zu weit auszuholen...
euer Maruko

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DaGraag
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Re: Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Beitrag von DaGraag » 5. Dezember 2019, 23:00

Lieber Maruko, leider kann ich auf der Arbeit nicht nicht so ausführlich Antworten, aber auch deinen Post finde ich interessant, aber leider etwas off-topic. Hier sollte es darum gehen welche Projekte WB (aka Daniel) für uns als nächstes angehen kann.

LG
Marco
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Thor256
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Re: Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Beitrag von Thor256 » 6. Dezember 2019, 00:09

Ich glaube wir sollen uns erstmal einigen über was wir hier reden. Ich habe das Gefühl jeder kennt den Begriff Kriegsverbrechen, aber nicht so wirklich sein Inhalt. Daher wäre eine Klärung der Begrifflichkeit auch für ein Video sehr wichtig. Besonders da sie sich mit den Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch überschneiden.

Das macht ein Video nicht gerade einfach.

Für Spiele relevant ist dann auch noch ,dass die Ideen relativ jung sind. Und bestimmte Verbrechen früher normal waren.

Und damit es nicht in wieso zieht uns Gewalt an oder sind wir böse abrutscht, wäre ich für ein Interview oder ähnliches mit Entwicklern, wieso geben sie uns die Möglichkeit oder wieso werden solche Verbrechen in Spielen nie aufgearbeitet , aber sehr wohl gezeigt.

MartinBach
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Re: Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Beitrag von MartinBach » 6. Dezember 2019, 13:31

Ist schwierig sich über solch eine Thematik zu unterhalten, denn man rutscht wie gesagt sehr schnell in die Politik.
Ich denke Mal jeder der Kriegsspiele spielt weiß, dass es in jedem Krieg Kriegsverbrechen gib.
Und vor allem im zweiten Weltkrieg gab es genügend davon.
Gehört sowas in ein Kriegsspiel rein?
Nein finde ich nicht, muss man sich damit auseinander setzen ja.
Vor allem wir Spieler müssen immer daran denken, es gibt im Historischen Kriegen auch Verbrechen die es im Spiel nicht gibt.
Egal welche Simulationen mit historischen Gegebenheiten muss man davon aus gehen, dass es sowas gab.
Spiele sollen Spass machen, man will sich damit ablenken und ganz ehrlich wenn ich ein Kriegsspiel spiele denke ich im ersten Moment nicht daran welche Kriegsverbrechen es gegeben hatte.
Sobald man ein Spiel mit Nazis spielt weiß jeder automatisch es sind Kriegsverbrecher.
Auch auf die Gefahr hin von WB wieder gelöscht oder teils beschnitten zu werden, aber wenn man ein Vietnam Spiel spielt muss man auch da wissen dass beide Seiten, der Vietkong und die Amis auch Verbrechen an der Menschlichkeit begannen haben
Ich finde, Spiele vor allem Kriegsspiele sind auch dafür da damit diese schrecklichen Kriege nicht vergessen werden.
Und ich hoffe es gibt genügend Spieler die dann mehr wissen wollen von diesen Kriegen die in solchen Spielen thematisiert werden.
Aus meiner Sicht ist solch ein Thema für Spiele und Entwickler eine schwierige Sache um es für die Opfer nicht unangemessen darzustellen
Bestes Beispiel ist ja nun Mal Warschau.

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Re: Scheinwerfer Umgang mit Kriegsverbrechen

Beitrag von writingbull » 6. Dezember 2019, 14:14

Echt ein sehr spannendes Thema und viele sehr, sehr lesenswerte Beiträge! Keine Floskel: Danke euch herzlich für diese Diskussion und für das Niveau, auf dem ihr sie führt.

Weil es immer wieder Nachfragen an die Moderation gibt: Wir haben lediglich Probleme mit Beiträgen, die sich nicht um die Umsetzung des Themas Kriegsverbrechen in Spielen drehen, sondern lediglich allgemein über Krieg und Politik diskutieren wollen. Dafür sind andere Plattformen im Internet da. ;-)
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